Sonntag, 20. Mai 2012
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...aus unserem Veranstaltungsheft "mittendrin" II-2012

Und sie wurden traurig und fragten ihn, einer nach dem anderen: Bin ich´s? (Mk 14,19)

Jesus feiert mit seinen Jüngern das Passahfest. Sie gedenken an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Dabei erinnern sie sich an Gottes großartiges Handeln, daran wie er sein Volk befreit und erlöst hat. Das ist doch Grund genug, um ausgelassen zu feiern!

Und doch geschieht etwas Außergewöhnliches an diesem Passahfest. Auf einmal kippt die Feierstimmung, und es wird ernst. Jesus, der mehrfach von seinem Tod gesprochen hat, sagt auf einmal, dass einer ihn verraten würde, einer, der jetzt mit ihm am Tisch sitzt. Für die Jünger ist das ein Schock. Und an ausgelassenes Feiern ist nicht mehr zu denken. Vermutlich würde ihnen jeder Bissen im Halse stecken bleiben, umgetrieben von der Frage: „Bin ich´s?" Alle Jünger stellen sich diese Frage. Jeder am Tisch hält es für möglich, Jesus zu verraten. Dies wird besonders im weiteren Verlauf der Ereignisse deutlich. Da ist zum Beispiel Petrus, der ihn drei Mal verleugnen wird. Und auch die anderen Jünger sind nicht besser. Sie schlafen, als Jesus im Garten Gethsemane betet. Keiner von ihnen lässt sich bei der Kreuzigung Jesu blicken. Sie haben sich auf und davon gemacht und haben sich von ihm distanziert.

Die Frage: „Bin ich´s?" fordert auch uns zum Nachdenken heraus. An welchen Stellen sind wir es, die Jesus verraten haben? Wo würden wir gerne Dinge ungeschehen machen, die wir getan oder gesagt haben? Gibt es nicht vielleicht auch bei uns Situationen, in denen wir Abstand von Jesus nehmen, ihn nicht bekennen?

So lässt die Frage: „Bin ich´s?" theoretisch nur einen Schluss zu, nämlich: „Ja ich bin´s!"

Auch Paul Gerhard bringt das in seinem Lied: „O Welt, sieh hier dein Leben" (GL99) zum Ausdruck. Dort heißt es in der 4. Strophe: „Ich bin´s, ich sollte büßen, an Händen und an Füßen gebunden in der Höll." Praktisch sieht es, Gott sei Dank, ganz anders aus. Um es mit Paul Gerhards Worten zu sagen: „das hat (zwar) verdienet meine Seel", aber „du (Herr) hast es ausgestanden!" Das heißt, unser „Ja, ich bin´s, der dich verraten hat", wird durch Jesus verwandelt, weil er sagt: „Ich bin´s, der für euch eintritt und euch euer Scheitern und Versagen vergibt. Ich habe es für euch am Kreuz ausgestanden." Das feiern wir bei jedem Abendmahl und besonders an Ostern. Christus ist unser Erlöser. Er befreit uns von unserer Schuld.

Mit dieser tollen Botschaft wünsche ich Ihnen eine gute und gesegnete

Osterzeit.

Ihr Daniel Seyfried